Die Forschung und die Museen

Der Erstcheck

Ob sich im Museum enteignete oder geraubte Gegenstände befinden, wird während einer Voruntersuchung – dem Erstcheck – geklärt. Dafür recherchiert ein Provenienzforscher in der Regel zwei bis drei Wochen vor Ort im Museum und meist auch im örtlichen Archiv. Für die Suche nach NS-Raubgut werden in den Inventarbüchern zunächst die Erwerbungen zwischen 1933 - 1945 eingegrenzt. Befinden sich darunter Eingänge beispielsweise von der Gestapo, von jüdischen Eigentümern oder einem 1933 verbotenen Arbeiterverein, werden diese Verdachtsfälle für eine spätere Tiefenforschung vorgemerkt. Darüber hinaus werden die Sammlungsgegenstände selbst untersucht: Aufschriften, alte Inventarnummern oder das Objekt selbst – z.B. ein jüdisches Ritualobjekt oder eine Arbeitervereinsfahne – können Hinweise auf die Herkunft geben.

Am Erstcheck 2016 in Südniedersachsen haben das Stadtmuseum Alfeld, das Heimatmuseum Duderstadt, das Stadtmuseum Einbeck, das Städtische Museum Hann. Münden sowie das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld teilgenommen. Die Ergebnisse sind in einem Sonderband der Schriftenreihe der Arbeitsgemeinschaft für Südniedersächsische Heimatforschung (ASH) veröffentlicht worden.

2017 wurde der nächste Erstcheck durchgeführt, teilgenommen haben das Heimatmuseum der Stadt Northeim, das Museum im Ritterhaus Osterode, das Städtische Museum Seesen und das Museum Uslar. Die Ergebnisse des Erstchecks sind in einem ASH-Sonderband publiziert.

 

     

 

Einschließlich der Kosten für die gedruckte Veröffentlichung der Ergebnisse hat der Landschaftsverband 2016/2017 knapp 40.000 € für dieses Pilotprojekt aufgewendet. Davon hat die Stiftung Deutsches Zentrum Kulturgutverluste 30.000 € aus Bundesmitteln finanziert.

Die Tiefenforschung

Mit Beginn des Jahres 2018 setzte der Landschaftsverband die Provenienzforschung fort. Der Erstcheck legte in acht von neun untersuchten Museen weiteren Forschungsbedarf offen, lediglich im Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld lagen keine Verdachtsfälle vor bzw. konnten diese während des Erstchecks geklärt werden. In der auf vier Jahre angelegten Tiefenforschung werden pro Jahr zwei Museen erforscht. Zum einen werden die Verdachtsfälle aus dem Erstcheck näher untersucht, zum anderen ausgewählte Bestände wie z.B. Gemälde, Bücher, Erwerbungen aus dem Kunsthandel. Aus schriftlichen Quellen in Archiven, Publikationen und digitalen Datenbanken werden zusätzliche Informationen zu den Objekten und ihrer Geschichte gezogen. Das Ziel ist eine möglichst lückenlose Rekonstruktion der Provenienz. Die Ergebnisse werden dokumentiert und in den Datenbanken Kuniweb und Proveana sowie durch Publikationen und Vorträge veröffentlicht. Such- oder Fundmeldungen enteigneter Objekte werden in der Datenbank Lost Art veröffentlicht. Ist eindeutig belegt, dass das Objekt dem Vorbesitzer unrechtmäßig entzogen wurde, werden Erben oder Rechtsnachfolger der Person gesucht und das Objekt zur Rückgabe angeboten.

Die Ergebnisse der Tiefenforschung in den Museen Duderstadt und Alfeld sowie Einbeck und Hann. Münden liegen mit den Abschlussberichten 2018 und 2019 vor.

 

     

Die Museen

Stadt- und Tiermuseum Alfeld

Unter blauem Himmel ein dreistöckiger freistehender Fachwerkbau der Renaissance mit aufwändiger Figurenschnitzerei und rotem Satteldach

Oberharzer Bergwerksmuseum Clausthal-Zellerfeld

Clausthal Zellerfeld Oberharzer Bergwerksmuseum im Winter bei Schnee

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Heimatmuseum Duderstadt

Frontansicht des dreistöckigen Fachwerkbaus, weiße Gefache und grau gestrichene Balken

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StadtMuseum Einbeck

Ansicht des dreistöckigen Fachwerkgebäudes mit bunt bemalten gotischen Schnitzereien

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Städtisches Museum Hann. Münden

Hann. Muenden Welfenschloss an der Werra mit Museum Foto Wikimedia Commons

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Museum im Ritterhaus Osterode am Harz

Teilansicht des Museums im Ritterhaus Osterode am Harz. Ein vierstöckiges Fachwerkhaus mit rotgestrichnenen Balken im warmen Abendlicht. Foto von Daniel Li

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Heimatmuseum Northeim

Ein vierstöckier langestreckter Fachwerkbau mit Walmdach

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Städtisches Museum Seesen

Museum Seesen,  Ansicht des Fachwerkgebäudes vom Park aus durch ein paar Bäume gesehen. Ein klarer Winterhimmel steht über dem Gebäude und Frost bedeckt die Wiese davor. Foto Wikimedia Commons

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Museum Uslar

Ein vierstöckiger Fachwerkbau mit Sandsteindach, umgeben von kleineren Nebengebäuden

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